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Kreis Buetow
Eiche_stammlos

Aufsatz des Stadtoberhauptes von Bütow, dem Bildwerk „Bilder aus Ostpommern“ entnommen, erschienen in der Sammlung Das Archiv, Verlagsgesellschaft für Städtebau, Berlin W 50. 04.12.1931.

Hinweis: Obwohl dieser Bericht noch aus einer Zeit stammt, als Deutschlands Ostgrenze anders gezogen war, also aus dem Jahr 1931, wird hier eine historische Zusammenfassung sowie ein anschauliches Bild aus damaliger Sicht gezeichnet.

“Die Stadt Bütow, heute rund 9.800 Einwohner zählend, liegt inmitten der Lande Lauenburg sig-buetowund Bütow an der Ostgrenze der Provinz Pommern, nur eine gute Meile entfernt von den polnischen Grenzpfählen. Ihre urkundliche Geschichte beginnt im Jahre 1321, als Herzog Wratislaw IX. von Pommern sie seinem Marschall Henning von Behr schenkte. Seine Söhne wiederum verkauften sie bereits im Jahre 1329 an den Deutschen Orden, dessen Hochmeister zu jener Zeit Werner von Orseln war.

Unter der Herrschaft des Deutschen Ordens blühte der kleine Marktflecken auf: der Hochmeister Tesmar von Arfiberg erhob ihn am 12. Juli 1346 „zur Stadt an städtischen Rechten und Freiheiten“. Im Jahre 1393 wurde Conrad von Jungingen Ordens-Hochmeister. Sein Name ist mit der Stadt für alle Zeiten verknüpft als der des Erbauers des Wahrzeichens der Stadt, der sie noch heute weithin überragenden Ordensburg. Ihre Bauzeit erstreckte sich auf die Jahre 1399 - 1406.

Unter seinem Nachfolger und Bruder Ulrich von Jungingen kam es zum Kampf zwischen dem Orden und Polen. In der unglücklichen Schlacht bei Tannenberg ward die Macht des Deutschritterordens gebrochen. Am 29. August 1410 erhielt der inzwischen mit Polen verbündete Herzog Bogislaw VII. von Pommern u. a. die Burg Bütow auf Lebenszeit. Als Seuchen das polnische Heer zur Rückkehr zwangen, gewann Heinrich von Plauen die Mehrzahl der gefallenen Burgen dem Orden zurück. Nach dem Frieden von Thorn vom 01. Februar 1411 erhielt der Orden auch Bütow zurück.

Das Jahr 1433 brachte neue Unruhen durch die von den Hussiten aufgestachelten Polen. Zwar widerstand diesmal die Burg, doch blieb das Land nach dem Abzug der Polen verwüstet zurück. Im Jahre 1454 gingen dann die Lande Lauenburg und Bütow, die fast stets den gleichen äußeren Schicksalen unterworfen waren, dem Orden durch Uneinigkeit im Innern verloren. Er hatte sich 1440 gespalten, und Danzig, einst selbst zum Orden gehörig, eroberte 1454 mit leichter Mühe Land und Schloss Bütow.

In den nun folgenden Kämpfen hatte Herzog Erich von Pommern dem Polenkönig Kriegshilfe versprochen. König Kasimir hatte dies Anerbieten gern angenommen und der Stadt Danzig befohlen, Lauenburg und Bütow zu räumen und dem Herzog Erich zu übergeben, den er hierdurch ganz für sich gewinnen wollte. Danzig kam diesem Ansinnen nach den inzwischen bei Konitz und Marienburg erlittenen Niederlagen nach.

Am 03. Januar 1455 empfing Erich Stadt und Schloss Bütow „zu guter Verwahrung und zu treuen Händen“. So blieb mit einer kurzen Unterbrechung von 1460-1466 Bütow bis 1526 unmittelbar unter der Herrschaft der pommerschen Herzöge, von da ab bis 1637 jedoch als polnisches Lehen.

Mit dem Tode Bogislaw XIV. erlosch im Jahre 1637 der männliche Stamm der pommerschen Herzöge. Pommern verlor endgültig seine Selbständigkeit als Herzogtum. Die Lande Lauenburg und Bütow fielen als erledigte polnische Lehen an Polen zurück. Bis zum Jahre 1657 dauerte die polnische Herrschaft.

Am 30. Oktober 1657 erhielt der Große Kurfürst die Lande als Entschädigung für sein Bündnis gegen die Schweden als im Mannesstamme erbliches Lehen. Noch lag schwedische Besatzung in den Landen, und als man sie endlich zum Abzuge bewegen konnte, da sprengten sie u. a. den Bergfried der Bütower Burg, den großen, viereckigen, später nicht wieder errichteten Schlossturm. Erst am 25. April 1658 konnte die feierliche Übergabe an den Großen Kurfürsten stattfinden. Seit dieser Zeit führten die Hohenzollern in ihrem Herrschertitel auch den eines Bütow_Burg„Herren der Lande Lauenburg und Bütow“. Auch im Großen Preußischen Wappen war seit 1744 das Wappenschild der Lande, zwei rote rechtsgehende Schrägbalken im silbernen Felde, vorhanden und zwar bis nach der 1777 erfolgten endgültigen Vereinigung der Lande mit Pommern noch bis zum Jahre 1817. Damals verschwand es, während der Titel blieb.

Im Jahre 1773 erwarb Friedrich der Große die Lande zu freien Eigentum, da Polen auf alle Rückfalls- und Oberlehnsherrlichkeitsrechte verzichtete. Nach der endgültigen Vereinigung der Lande mit Hinterpommern im Jahre 1772 bildeten sie einen einheitlichen Landkreis mit dem Sitz des Landrats in Lauenburg. 1846 wurde das frühere Land Bütow ein eigener, selbständiger Landkreis.

Wenn daher Bütow auch vorübergehend unter polnischer Herrschaft gestanden hat, so ist es doch zweifelsfrei, dass es von jeher ein durchaus deutsches Land gewesen und geblieben ist, dessen Zugehörigkeit zu Polen weder Land noch Bevölkerung polnisch gemacht hat. Die Funde aus der Steinzeit, der Bronzezeit, der Eisenzeit lassen die rein germanische Besiedlung erkennen, während die slawischen Einbrüche stets nur Episoden waren, die den Charakter von Volk und Land nicht zu ändern vermochten.

Groß war der Aufschwung der Stadt im 19. Jahrhundert, insbesondere in den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege. Durch die Bahnlinien nach Zollbrück, nach Rummelsburg, Lauenburg und nach Berent wurde sie ein lebhafter Eisenbahnknotenpunkt. Zahlreiche Kunststraßen führten von allen Himmelsrichtungen in die Stadt, die sich mehr und mehr zum Mittelpunkt des südöstlichen Pommerns entwickelte. Errichtung der Stadtsparkasse, Bau des Schlachthofes und der Gasanstalt sowie Einführung von Straßenbeleuchtung mit Gas. Erweiterung der Stadt durch Ankauf des Rittergutes Adlig-Bütow und seine teilweise Aufteilung in 51 Rentengüter, Bau eines Wasserwerkes: das sind die äußeren Kennzeichen einer lebhaften Aufwärtsbewegung. Während des Krieges wurde bei der Stadt ein großes Gefangenenlager errichtet, das zeitweise 22.000 Gefangene fasste. Auch das elektrische Stadtnetz wurde 1918 gebaut.

Diese Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den Versailler Friedensvertrag. Durch die Bildung des sogenannten Weichselkorridors fielen große Teile der Nachbarkreise Karthaus, Berent, Konitz und Schlochau an Polen und gingen dem Wirtschaftsleben der Stadt als wertvolles Hinterland verloren. Ungezählte Aufträge zahlreicher Einwohner dieser Gebiete an Handwerk und Kaufmannschaft blieben aus, während andererseits der Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse fortfiel. Alle diese engen, durchaus östlich orientierten Wirtschaftsbeziehungen sind so gut wie völlig zerstört. Bütow, früher der aufstrebende Mittelpunkt eines lebhaften Bahn- und Marktverkehres, liegt jetzt, bald selber tot, in einem toten Winkel des östlichen Pommerns unweit der polnischen Grenze. Der hierdurch bewirkte wirtschaftliche und finanzielle Niedergang hat seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Zwar ist die Einwohnerzahl noch mäßig gestiegen, aber Arbeitslosigkeit, Stilllegung von Betrieben, Konkurse und Zwangsversteigerungen in erschreckender Zahl sind das Zeichen einer Schweren Zeit.

DPommern_Kr_Bütowie Bevölkerung ist überwiegend evangelisch. Für die Volksschulen ist ein großzügiger Neubau geschaffen, der trotz der drückenden Wirtschaftslage zu drei Fünftel fertig gestellt ist und den modernen Anforderungen entspricht. Die Stadt unterhält zwei mittlere Schulen, eine Oberschule für Knaben und eine höhere Mädchenschule. Außerdem ist eine Staatliche Aufbauschule (Bismarckschule) mit dem Lehrplan der deutschen Oberschule vorhanden. Ein städtischer Sportplatz mit Umkleidehalle und eine moderne, große Flussbadeanstalt sind vorhanden.

Reich ist die Stadt und ihre Umgebung an Naturschönheiten, zahlreichen Seen und großen, schönen Wäldern.

Die Zukunft der Stadt wird wesentlich abhängen von der politischen Entwicklung Mitteleuropas. Möchten recht bald die naturwidrigen Grenzen des polnischen Korridors schwinden, damit die Stadt ihr wirtschaftlich wertvolles Hinterland wieder zurückgewinnt! Dann wird sie auch bald einer neuen, durch ihre Lage in jeder Beziehung begünstigten Blütezeit entgegengehen!”

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